Dritte*Orte Archiv

Dritte Orte sind auf Podien, in Stadtplanung und in politischen Diskursen in aller Munde. Gleichzeitig verschwinden gerade viele informelle, alltägliche Orte unwiederbringlich. Die Gründe sind vielfältig, häufig passen sie nicht hinein in eine Gegenwart voll von durchgestylten Räumen, hohen Mieten und digitalem Konsum. Es geht um gewachsene Orte, die wichtig sind für das soziale Gewebe dieser Stadt. Orte, an denen es menschelt. Orte, die das Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln.

In einer Stadt, die zwischen Nachverdichtung, durchkalkulierten Konzepten und verlassenen Baugruben wenig Platz für Nischen zulässt, entsteht mit dem Dritte*Orte Archiv ein Raum für das Dazwischen. Im Dritte*Orte Archiv wird Erinnerungsarbeit neu gedacht und verschwundene, gewachsene Orte und Visionen für zukünftige Orte archiviert. Jede:r kann mitmachen.

Was ein dritter Ort ist, definieren im Dritte*Orte Archiv die Menschen, die ihn nutzen.

Dritte Orte – das ist hier kein Konzept, keine Regel, sondern ein Bedürfnis. Daher stellen sich Fragen wie: Für wen bedeutet das eigentlich was und wer entscheidet, was erinnerungswürdig ist? Neben vermeintlich unspektakulären alltäglichen Orten, an denen sich Gesellschaft mischt, können das auch subkulturelle Räume sein oder auch Orte, an denen gerade kein sozialer Austausch stattfindet. Wenn man beispielsweise an die Bedürfnisse von Menschen mit sozialen Ängsten oder solchen, die schlicht und einfach erschöpft sind, innerhalb von Städten denkt, kann eine Bank im Friedhof zum dritten Ort werden.

In dem Konzept und den Bausteinen stecken über acht Jahre Erfahrungen (u.a. aus dem Projekt ZEITKAPSEL). Anfang 2024 war klar, dass ich meine eigene künstlerisch-forschende Praxis öffnen möchte und daraus entstand die Idee zum "Dritte*Orte Archiv". 2025 war das Jahr, in dem gleichzeitig entwickelt und erprobt wurde. Gemeinsam mit den Gestalterinnen Carina und Marisa Müller (Studio MLLR) wurden die Bausteine gestaltet. Im Juni 2025 entstand gemeinsam mit Moritz Frisch ein kleiner Film und im Juli 2025 der Auftakt.

Das letzte Jahr hat die Basis gelegt und gezeigt, wie viel mit einem kleinen Kernteam und zahlreichen ehrenamtlichen Mitwirkenden möglich ist. Denn die interaktive Karte kann, will und wird nie vollständig sein. Als Langzeitprojekt soll es über die nächsten Jahre wachsen – in Kooperation mit Städten, Gemeinden, Einrichtungen und Akteur:innen (etwa aus Forschung, Stadtteilarbeit, Stadtentwicklung, politischer Bildung oder Stadtgeschichte).

Aktuell nehmen wir uns Zeit, die Pilot- und Entwicklungsphase auszuwerten, die nächsten Schritte zu denken und ein Modell für die Zukunft zu entwickeln. Für Gespräche mit Städten, Gemeinden, Stiftungen und potenziellen Förderern: hello@dritteortearchiv.com

  • Jessi als Stadtforscherin. Aufgenommen von Moritz Frisch.

  • Gestaltung (c) Carina Müller

  • Ein analoges Farbfoto vom Zenetti Pils von außen, morgens aufgenommen.

    Die Konservierung des Zenetti Pils war für die Entwicklung der "Kartografie der Dinge" sehr bedeutsam.

  • Ein analoges Farbfoto von Aenestis, einem älteren weißhaarigen Mann, der angelehnt an den Tresen in die Kamera lächelt.

    Die Idee zum Dritte*Orte Archiv entwickelte ich aus einer eigenen künstlerisch-forschenden Arbeit, für die ich im Verschwinden begriffene Orte kurz vor der Schließung audiovisuell konserviere.

  • Aus dieser Praxis heraus ist auch das künstlerische, partizipative Stadtforschungs- und Archivprojekt Dritte*Orte Archiv entstanden.

  • Kurz vor der Versteigerung in der Cafébar Mona.

  • Aktivierung im Haus der Kunst (c) Moritz Frisch

  • Ein analoges Farbfoto durch das Fenster der Getränkequelle fotografiert. Man sieht Ahmadi, wie er nach außen schaut. und die Balkone des Hauses gegenüber spiegeln sich im Fenster.
  • Förderung zur Entwicklung der Bausteine (2025):

    Kulturreferat der Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung

  • Unter dem Dach der:

    ehrenamtlich geführten Stiftung Kulturator

  • Visuelle Identität, Programmierung und Gestaltung aller Bausteine:

    Carina & Marisa Müller, Studio MLLR

  • Idee, Konzept, Bausteine:

    Miriam Worek

  • Mitwirkende:

    Benedikt Karl (Text); Moritz Frisch (Kamera, Fotos); Siyoung Kim (Forscher:innenwesten); Bassant Genedy; Filo Krause / Clara Holzheimer / Jessi Strixner / Ruth Feile (critical friends), Vermittlung mobiles Archiv (soon)

  • Die Erprobung und erste Phase wurde im Jahr 2025 unterstützt von::

    Münchner Stadtbibliothek und Medienzentrum München (DANKE!)